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Zürcher Unterländer, 27. Juni 2017

Winterthurer Gäste spielen «hinreissend»


Presseartikel Juni-Konzert (pdf)

EMBRACH Am Sonntagnachmittag fanden sich rund 150 Klassikliebhaber in der reformierten Kirche ein, um der Orchestergesellschaft Winterthur zu lauschen. Verstärkt mit dem Duo Corda, lud sie das Publikum zu einer weiten musikalischen Reise ein, von ungarischen Tänzen bis hin zu Best-Western-Hits.

«Hinreissend» – so verhiess der Titel auf dem Plakat zum Konzert der Orchestergesellschaft Winterthur, welches am späten Sonntagnachmittag in der reformierten Kirche von der Kulturkommission Embrach präsentiert wurde. Von Beginn weg legten die 33 Musikerinnen und Musiker einen abwechslungsreichen Auftritt hin und spannten den musikalischen Bogen weit. Im ersten Teil erklangen Brahms’ «Ungarische Tänze», eine Concertante des deutschen Komponisten Louis Spohr sowie der Tanz der Zuckerfee und der Blumenwalzer aus Tschaikowskys «Nussknackersuite». Die Harfenistin Corinna Kappeler und Daniel Treyer an der Violine verstärkten als Duo Corda die Orchestermusiker.

Filmmusik zum Träumen

Das Solostück «Serie del angel», des argentinischen Komponisten Astor Piazzolla spielten die Berufsmusiker teilweise vierhändig an der Harfe und zeigten ihre Fingerfertigkeit, die Leidenschaft für das Instrument und perfekte Harmonie.

Liebhaber der Filmmusik durften im Medley «Best Western» ihrer Fantasie freien Lauf lassen zu «Oh Suzanna», «My Old Kentucky Home» oder der «Rose of Texas». Zu den Trommelwirbeln hörte man im Geiste die Pferdehufe über die Prärie preschen. Erinnerungen an den Actionfilm «Le professionnel» mit Jean-Paul Belmondo vor rund vierzig Jahren weckte die Melodie des italienischen Erfolgskomponisten Ennio Morricone im Titellied «Chi Mai». Das Publikum schwelgte in den träumerischen Klängen und spendete grosszügigen Applaus. Ohne eine Zugabe liessen die Embracher Klassikfreunde die Musiker nicht gehen.

Die rund 150 Menschen genossen das Konzert. Es hatte auch etliche Jugendliche, die offenbar ein Flair für klassische Musik haben, so wie die zwölfjährige Ramona Häusler aus Rafz. Ihre Mutter spielt die Violine im Orchester, deshalb kam sie mit ihrer besten Freundin an die Aufführung. «Die Musik hat mir sehr gut gefallen», lautete ihr Fazit. «Ich selber spiele Klavier, aber ob ich auch einmal in einem grossen Orchester spielen werde, weiss ich jetzt noch nicht.»

Halbes Jahr Vorbereitung

Volker Messerknecht, der Leiter und Dirigent, zeigte sich sehr zufrieden mit dem Auftritt. «Ein halbes Jahr lang studierten wir die Werke ein und übten», sagte er. «Das Programm stellten der Solist und Kapellmeister Daniel Treyer und ich zusammen.» Das gleiche Konzert führten die Musiker am Tag zuvor in Winterthur auf.

«Es hätte noch Platz für mehr Zuhörer gehabt, doch sind wir zufrieden, dass am Sonntagnachmittag bei schönem Wetter so viele Menschen den Weg in die reformierte Kirche gefunden haben », sagte Margrit Kramer von der Kulturkommission Embrach, die das Konzert organisiert und zum wiederholten Male die Orchestergesellschaft Winterthur eingeladen hatte. Bei einem lauschigen Apéro danach liesen die Konzertbesucher den Sommerabend ausklingen.

Marlies Reutimann



Tagblatt, 4. Dezember 2009

Beeindruckender Volker Messerknecht in Amriswil

Beim Jubiläumskonzert «10 Jahre Volker Messerknecht und die Orchestergesellschaft» der Orchestergesellschaft Winterthur mit dem Dirigenten und Solisten Volker Messerknecht und der Uraufführung der Komponistin Akie Suzuki war die evangelische Kirche Amriswil gut besucht. Der Dirigent und Violoncello-Solist Volker Messerknecht beeindruckte am Sonntagabend durch seine souveränene Einsätze und durch sein grossartiges Engagement.

Zu Beginn des Konzertes wurden die Zuhörer mit dem Cellokonzert in C von Joseph Haydn (1732 – 1809), welches 150 Jahre als verschollen galt, beehrt. Als erster Satz erklang das «Allegro ma non molto», welches durch Freundlichkeit einladend wirkte und sich durch eine klare Formsprache und Ausgewogenheit auszeichnete. Berührend war das Largo mit feinen Zwischenpassagen. Das Finale bestach durch die Kontraste und Farbigkeit sowie durch die virtuosen Violoncello-Einsätze von Volker Messerknecht.

Überwältigend war die Uraufführung von Akie Suzukis «Zolubachlushk». Die Gefühlszustände Traum, Liebe, Herz und Seele wurden in dem Werk meisterhaft dargestellt. Das Allegro begann wild und unruhig; die akzentuierten Paukenschläge sorgten für Aufsehen. Auch kamen Gefühle von Heimat, Glück und Seelenerfüllung zum Ausdruck. Die Klänge des Menuetts weckten Assoziationen an einen japanischen Bergbach und ein facettenreiches Tierleben im Walde. Anschliessend kamen die Zuhörer in den Genuss des «Andante cantabile»; herrliche Violinstimmen brachten die Seele zum Baumeln und zum Träumen an Feen und Waldgeister. Abgeschlossen wurde das Werk «Zolubachlushk» durch das zutiefst bewegende und spannungsgeladene Presto.

Das dritte Werk war eine Komposition des Spätromantikers A.E.Chabrier (1841 – 1894), das mit der paradieshaft anmutenden «Idylle» und durch weltentrückende Triangeleinsätze eingeleitet wurde. Nach der liebevollen «Danse villagoise» folgte «Sous bois», Scherzo. Das herausragende Werk wurde mit der «Valse» beendet. Das Publikum würdigte das Konzert mit lang anhaltendem Applaus. (ok)


Der Landbote, 04.01.2008

Walzer und Polka zum Jahresauftakt

Durch das Gemeindezentrum klangen am Dienstag in Aadorf beschwingte Walzer­melodien und ein Amboss. Das Neujahrskonzert fand zum neunten Mal statt.

AADORF — «Ohne Gegensätze stehen wir still, davon bin ich überzeugt», sagte Gemeindeammann Bruno Lüscher in seiner Neujahrsansprache. Er sehe überall Gegensätze, sowohl in der Politik als auch in der Wirtschaft, im Klima und in der Demokratie. «Ohne Gegensätze wäre unser Leben und Handeln wertlos und gegenstands­los, denn wie Theodor Fontane einmal geschrieben hat, regelt sich alles nach dem Gesetz des Gegensatzes, das zu­gleich ein Gesetz des Ausgleichs ist.»

Mit der Organisation des Neu­jahrskonzertes und dem anschlies­senden Apero für die Dorfbewohner setzt sich Bruno Lüscher mit seiner Frau seit neun Jahren für Kultur ein und hat mit den ver­schiedensten Musikstilen immer wieder Freude gebracht.

Dieses Mal bestritt die Or­chestergesellschaft Winterthur das Programm und brach­te einen bunten Strauss be­schwingter Melodien in den gut besetzten Ge­meindesaal. Und was würde besser zu einem Neujahrskonzert pas­sen als ein Strauss-Walzer? Dirigent Volker Messerknecht betonte:

«Wien bleibt Wien, aber Aadorf bleibt Aadorf und Aadorf ist top.»

Besondere Aufmerksamkeit erhielt die «Amboss-Polka» von Albert Par­low, ein Stück, das mit einem ausser­gewöhnlichen Musikinstrument be­reichert wird: einem 50 Kilo schweren Amboss und zwei Hämmern. Hans­ruedi Schöni aus Illnau, ein gelernter Schmied, gab in dieser Komposition den Takt an, schlug mit dem Ham­mer einmal rechts und einmal links auf den Amboss. «Für mich ist es das erste Mal, dass ich musikalisch auftreten kann und ich empfinde es als eine echte Herausforderung.» Es sei für ihn eine Freude, mitmachen zu können, doch habe er sich überlegen müssen, welchen Amboss er in die Probe mit­nehmen wolle. Das Gewicht seiner Ambosse variiere zwischen 50 und 170 Kilogramm und stelle damit ein logisti­sches Problem dar. Für den Transport seines «Instruments» behalf sich Schö­ni schliesslich mit einem Rollbrett.

Zigeunerhaftes Violinsolo

Der erste Violinist und Konzertmeis­ter Alin Velian, der als Profimusiker für die Oper in Zürich arbeitet, ern­tete von den Zuhörern begeisterten Applaus für sein zigeunerhaftes Violin­solo «Czardas» von Monti.

Bei einer weiteren Polka von Johann Strauss flogen die Korkenzapfen bis ins Publikum und im Morgenblätter-Walzer klangen die Flöten wie Vogelgezwitscher. Aus der Zeit der Stummfilme ertönten Klänge wie aus einem chinesischen Tempelgarten und einem persischen Markt. Albert Ketelbey komponierte 1920 die Musik zu den Streifen, in denen die Bilder laufen lernten. Mit «Bahn frei» von Eduard Strauss schlossen die Musiker das Konzert mit dem Sinnbild, dass nun die Bahn frei ist für ein neues Jahr.

EDITH K. SPÖRRI


Bülacher Tagblatt, 20.05.2003

Embrach — Am vergangenen Sonntag gab die Orchestergesellschaft Winterthur zusammen mit dem Sänger Fabrice Raviola (Bariton) ein klassisches Konzert. In der reformierten Kirche Embrach genossen rund 160 Besucherinnen und Besucher die musikalischen Leckerbissen.

von Florian Schaer

In organisatorischer Zusammenarbeit mit der Kulturkommission Embrach bot das rund 30 Mann starke Orchester unter der Leitung von Volker Messerknecht eine gehaltvolle Vorabendveranstaltung. Die düsteren, schweren Akkorde zu Beginn der Don Giovanni-Ouvertüre von Wolfgang Amadeus Mozart bildeten den imposanten Auftakt zu einem Konzert, das knapp zwei Stunden lang zum musikalischen Schwelgen einlud. Die bekannte «Registerarie», ebenfalls aus der Oper Don Giovanni, gab Fabrice Raviola eine erste Gelegenheit, sein Können unter Beweis zu stellen.

Leidenschaftlicher Einsatz

Die Arie, wo Leporello die Liste aller Frauen-Eroberungen des Titelhelden vorträgt, inspirierte den Genfer Profi-Opernsänger nebst dem Gesang auch zu viel leiblicher Interpretation. So verzichtete er auch in den nachfolgenden Stücken nie auf seinen Körper- und Requisiteneinsatz, was beim Publikum offensichtlich ankam. Fabrice Raviola setzte so seinen Auftritt gleich selbst in Szene; mal mit Zylinder und Stab, mal mit Champagnerflasche unterstrich er jeweils das Gesungene mit den dazu passenden Gesten und ermöglichte es auf diese Weise auch demjenigen Zuschauer, der beispielsweise des Italienischen nicht mächtig war, dem Handlungsinhalt zu folgen.

Heitere Mosaiksteine

Die Orchestergesellschaft Winterthur begleitete ihn weiter zu wunderschönen Arien des Figaro (aus La Nozze di Figaro, Mozart), des Germont (La Traviata, Giuseppe Verdi) und zu einigen Liedern aus «Die Lustige Witwe» von Franz Lehar. Vorwiegend heitere, amüsante Mosaiksteine jener Meilensteine der Musikgeschichte aus verschiedenen Jahrhunderten, die zu begeistern vermochten. Mozarts dreisätzige Pariser-Symphonie (Symphonie Nr.31, 10/ 297) erklang zu Ende der Veranstaltung und stellte als in sich geschlossenes Werk die gebührende Abrundung des Konzertes dar.

Freiheit der Interpretation

Eindrucksvoll zeigten Orchester und Sänger, wie viel Freiheit zur Interpretation doch in einer Opernarie liegen kann. Auch die instrumentalen Werke, so die Ouvertüre des Don Giovanni, das Vorspiel zum ersten Akt der Traviata oder das Potpourri aus unterschiedlichen Melodien der Lustigen Witwe zeigten auf ihre Weise einen Auszug aus der grossen Welt der Opern und Operetten. Anspruchsvoll, mit einer einzigartigen Intensität des harmonischen Ausdruckes und doch keineswegs etwa schwerverdaulich für den Zuhörer. (Der nächste Auftritt der Orchestergesellschaft Winterthur:14. September, Alter Stadthaussaal, Winterthur, Marktgasse 20)


ZO / AvU, 07.05.2002

Orchester-Gesellschaft Winterthur und Swissair Voices konzertierten in Wetzikon

Unter dem Titel «orchestra, voices and dance in concert» trafen sich am vergangenen Samstag über 80 Mu­sizierende und Gesangsfreudige von der Orchester-Gesellschaft Win­terthur und den Swissair Voices in der Aula der Rudolf-Steiner-Schule in Wetzikon zu einem gemeinsamen Konzertabend.

Zahlreiche Besucherinnen und Besucher erlebten am Samstag ein abwechslungs­reiches Konzertereignis, in welchem be­sonders der farbige Höhepunkt mit ori­entalischem Tanz begeisterte. Die Orche­ster-Gesellschaft Winterthur, vor 117 Jahren gegründet, hat mit über 30 Musi­zierenden unter der Leitung von Volker Messerknecht ein massives Klangvolumen. Im Konzert in der Rudolf-Steiner-Schule in Wetzikon wusste der engagierter Diri­gent die Musiker in verschiedenen Berei­chen herauszufordern. Reich ausgestattet mit diversen Bläsern hatte das Streich­ensemble einen guten Rückhalt.

Tänze - antik und ungarisch

Der Konzertbeginn mit der Orchester­suite Nr. 1 von Ottorino Respighi «Antiche danze ed arie per liuto» bezauberte vor allem durch das Spiel der Harfe, der do­minierenden Oboe und durch die wie­derkehrenden Einsätze einzelner Bläser. Einen Kontrast dazu gab es im zweiten Teil des Programms: für die Ungarischen Tänze von Johannes Brahms in der Instru­mentierung von Andreas Hallèn wiegte sich das Orchester in der schwerblütigen Melancholie der Nummer 2, und liess sich auch auf die waghalsigen, lüpfig­leichten Kapriolen der Nummer 7 ein.

Pompöser Siegesgesang

Der gut ausgestattete Chor - aller­dings mit wenigen Oberstimmen - sang Gastoldis bekanntes «L'innamorato» un­ter der Leitung des Chorgründers Erwin Fuchs. In Monteverdis «Ecco mormorar l'onde» strahlten die Sängerinnen und Sänger einen besinnlichen, breiten Klang aus. Dramatisch erzählend und pompös war die Inszenierung von Mirjams Sie­gesgesang, Kantate D 942, op. 136, von Franz Schubert. Als Solistin im Mittel­punkt stand die Sopranistin Liliana Salah Eddine, die mit ihrer lieblichen Stimme den Freudengesang der Israeliten an­stimmte. Chor und Orchester über­tünchten zwar den zarten Glanz der Frauenstimme in den meisten Teilen, doch dies wohl im Taumel der roman­tisch-bildhaften Art dieser Komposition.

Buchstabenwalzer mit Dampfen und Zischen

Stimmungsvoll zum Auftakt des zwei­ten Programmteils zeigten Chor und Or­chester mit Luigi Arditis Kuss-Walzer ita­lienisch ein Beispiel von Europa im Wal­zerfieber. Turi Schellenberg, Moderator bei Radio Eviva, wusste mit interessanten Erläuterungen durchs Programm zu führen, welches mit einem Apéro für alle begonnen hatte.

Eine Stärkung für die sprechgewand­ten Chormitglieder war sicher berechtigt, hatten sie doch in Margrit Müllers Buch­stabenwalzer mit Dampfen und Zischen der Konsonanten und mit dem Purzeln-lassen von Silben einen stark rhythmi­schen Einsatz. Kabarettistisch-spitzbü­bisch setzte sich auch Chorleiter Erwin Fuchs als Solist in Szene und suchte mit seinem Gesang nach Mozarts Klängen nach seinem verlorenen Horn.

Orientalischer Tanz zu Borodin

Die Ungarischen Tänze mit den Num­mern 5 und 6 erfuhren eine etwas unge­wöhnliche Fortsetzung: in einer gut nachempfundenen Chorbearbeitung wurden die Möglichkeiten der menschlichen Stimmen preisgegeben. Dennoch Spannung und Schwung, romantische Wispern, die Aufforderung zum Spiel von Liebe und Lust, klang gekonnt. Alexander Borodins Polowetzer Tänze aus der Oper «Fürst Igor» - ein Genuss zum Hören und Sehen - rundete den bunten Melodienstrauss ab. Dazu zeigte Sopranistin Liliana Salah Eddine in orientalischen Tanzeinlagen, wie wirbelnd Glanzstücke in sinnlichen, elegante Körpergebärden ausgedrückt werden. Zum Dank für den Applaus des Publikums entführte man es noch für kurze Zeit in musikalischen «Ornamenten» auf einen persischen Markt, mit Kamelen, Bettlern und Prinzessin.

Susi Hofmann